Tränen der Rose
Kapitel 1
Piper saß wie geistesgestört am Küchentisch. Vor 2 Tagen war ihre Schwester von Abbadon getötet worden, und genau seit diesen 2 Tagen saß Piper ohne etwas zu essen, oder überhaupt etwas zu sagen, in der Küche und blickte ins Leere. Leo machte sich schon langsam Sorgen um seine Frau und redete auf sie ein, dass sie doch etwas essen müsse, aber die blickte weiter ins Leere und sagte nichts. Auch Paige war nicht viel besser drauf. Sie saß bei sich zu Hause im Bett und dichtete Sprüche, um Phoebe wiederzubeleben, aber nie klappte dieser Versuch.
„Schatz, du musst etwas essen!“, sagte Leo ganz ruhig zu Piper. Sie antwortete nicht. „Denk an die Kinder, Piper. Sie brauchen eine starke Mutter. Und wenn du nicht bald etwas isst, kannst du keine mehr für sie sein.“ Dann endlich griff Piper zu einem Stück Brot, welches Leo ihr hingestellt hatte. „Du hast ja recht Leo, aber meine Schwester ist tot. Sie kommt nie ieder, verstehst du, Leo?“ „Doch, wir werden einen Weg finden, sie zurückzuholen und zwar bald!“ „Leo, mach dir keine Hoffnungen, sie ist tot! Ein für alle mal!“ Piper war nicht mehr sehr zuversichtlich, dass sie irgendeinen Weg finden würden, um Phoebe zu retten. Sie war tot. Für immer.
Auch Paige gab die Hoffnung auf und hörte auf, an Sprüchen für die Wiederbelebung zu arbeiten. Sie stand auf, sah in den Spiegel und schmiss sich dann wieder in ihr Bett. Sie nahm sich ein Kissen und Tränen rollten ihr über die Wange. „Schatz! Für jeden kommt der Zeitpunkt…“, sagte Henry, der gerade das Schlafzimmer betreten hatte. „Aber nicht so früh…“ „Doch, manchmal auch so früh.“ „Aber überleg dir mal, wie sich Coop fühlen muss!“ In der Tat. Coop war mehr als zerstreut. Er hatte sich auf Arbeit, er war mittlerweile Anwalt, in sein Büro eingeschlossen und starrte jetzt schon seit 6 Stunden auf das Hochzeitsfoto von Phoebe und ihm. Er hatte seine Frau verloren, und mit ihr seine ungeborene Tochter. Er hatte schon einen Namen gehabt. Aber das war jetzt nicht mehr wichtig. Er wusste, dass er sich nie wieder in eine andere Frau so verlieben würde, wie in Phoebe.
Drei Tage war Phoebe jetzt schon tot. Paige, Piper und Coop hatten vorhin einen Termin für die Beerdigung festgelegt. Er war schon morgen, im ganz kleinen Kreis. Es würden nur Piper, Paige, Billie, Leo, Henry und Coop kommen. Zwar wollten auch die Leute aus Phoebes Büro kommen, aber das wollte Piper nicht. Es sollte eine ganz intime Beerdigung werden. Jetzt saßen alle zusammen im Wohnzimmer und berieten sich. „Wie konnte das nur passieren? Wir waren so gut auf den Kampf vorbereitet.“, sagte Piper. „Ja, aber leider nicht gut genug.“, antwortete Paige, der wieder die Tränen kamen. „Wir werden das schon irgendwie hinkriegen.“, sagte Leo. „Schatz, bitte… Mach dir bitte keine Hoffnungen mehr, sie ist tot und das wissen wir alle!“ „Ihr seit doch die Mächtigen Drei, ihr müsstet doch irgendwas tun können… oder nicht?“, unterbrach sie Coop. „Meinst du nicht, wir hätten schon längst etwas getan, wenn wir die Macht dazu hätten, Coop?“, sagte Paige. „Jaja… ihr habt ja recht! Aber, wenn sie morgen erstmal beerdigt ist, haben wir keine Chance mehr, sie zurückzuholen!“ „Los, lasst uns noch einen Spruch ausprobieren, wenn der nicht funktioniert, geben wir es auf.“, sagte Billie trocken. „Okay, probieren wir es ein letztes Mal!“ Sie gingen auf den Dachboden und sammelten einige Dinge für das Ritual zusammen. Um einen Kessel platzierten sie 3 Kerzen und warfen einige Gewürze in den Topf hinein. Piper und Paige setzten sich vor den Kessel und Piper nahm eine rote Rose in die Hand. Sie waren soweit.
Nicht aus Wut und nicht aus Gier,
weihen wir diese rote Rose dir.
Sie warfen die Rose in den dampfenden Topf, fassten sich dann an den Händen und sprachen dann den Spruch zu Ende.
Gebt unsere Schwester wieder frei,
gebt zurück, die Macht der Drei.
Der Dampf wurde immer stärker. Immer mehr quoll er aus dem schwarzen Topf hinaus. Es gab einen lauten Knall und die Rose flog heraus. Aber sonst passierte nichts. Phoebe war immer noch tot. „Geben wir’s auf. Es hat nicht geklappt.“, sagte Paige leise. „Ja, müssen wir wohl!“, antwortete Piper und ging aus dem Raum.
Kapitel 2
Am nächsten Morgen beim Frühstück, sagte niemand etwas. In 3 Stunden war der Termin für Phoebes Beerdigung. Dann hieß es endgültig Abschiednehmen. Alle stocherten unwillkürlich in ihrem Müsli herum und keiner wollte so recht etwas essen. Alle waren schwarz gekleidet. Piper hatte ein langes Kleid an und hatte ihre Haare zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebunden. Paige hatte ebenfalls ein schwarzes Kleid an und passend dazu schwarze Stöckelschuhe. Auch sie hatte ihre braunen Haare streng zusammengebunden. Coop, Leo und Henry hatten sich Anzüge und Krawatten angezogen und Billie hatte einen schwarzen modischen Hosenanzug an. „Also kommt. Wir müssen los! Erweisen wir Phoebe eine letzte Ehre.“, sagte Leo plötzlich. „Ja, müssen wir wohl. Sind die Kinder in der Zauberschule?“, fragte Piper und räumte den Tisch ab. „Ja, ich habe sie vorhin alle 4 hingebracht.“, sagte Paige. „Dann los!“
Sie fuhren zur Kapelle, nicht weit weg von San Francisco. Sie hatten sich einen ruhigen Waldfriedhof ausgesucht. Sie dachten, dass wäre vielleicht besser, als ein Friedhof mitten im Smog der Stadt. Das Grab kostete zwar etwas mehr, aber das nahmen sie gerne für Phoebe in kauf. Sie fuhren auf den Parkplatz und stiegen aus dem Auto aus. Sie hatten noch eine Stunde Zeit bis zur Beerdigung, also liefen sie noch ein wenig auf dem Friedhof entlang. Sie begutachteten Phoebes zukünftiges Grab und dann war es soweit. 12 Uhr. Alle betraten die Kapelle. Ruhige Musik, ein großer Raum und überall gedämpftes Licht. An den Wänden hingen überall Leuchter mit weißen Kerzen und am Altar ein großer Stände, auf dem ein Bild von Phoebe platziert war. Piper und Paige kamen wieder die Tränen. Alle nahmen sie in der ersten Reihe platz. Piper stellte sich vor, wie voll es gewesen wäre, wenn alle Leute aus Phoebes Büro gekommen wären und dann war sie wieder froh, dass sie es nicht zugelassen hatte. Der Redner betrat die Kapelle. Er stellte sich vorne an ein Pult und öffnete seinen Ordner. „Liebe Familie.“, begann er. „Wir haben uns heute hier versammelt, um Phoebe Halliwell den letzten Dienst zu erweisen. Wie oft, hat sie durch ein Lächeln unser Herz berührt, wie oft, hat sie einem ihrer Freunde oder ihren Schwestern geholfen, ein Problem zu lösen? Es waren unzählige Male, da bin ich mir sicher. Aber erzählen wir ein wenig was über Phoebes Leben. Am 2. November 1975 wurde Phoebe Halliwell an einem schönen herbstlichen Tag geboren.“ „Schöner herbstlicher Tag? Es war eine stürmische kalte Nacht!“, flüsterte Piper Paige zu. „Ihre Kindheit war schön, weil Phoebe mit zwei wunderbaren Schwestern aufwachsen durfte. Oft hat ihre große Schwester Prue auf sie aufgepasst und dafür gesorgt, dass Phoebe nichts zustößt. Doch schnell musste Phoebe den Ernst des Lebens begreifen, denn schnell starb ihre Mutter.“ Und so redete und redete der Pfarrer, ohne dabei ein Ende zu finden. „Und dann am 5. April 2008 heiratete Phoebe erneut. Und zwar ihren wunderbaren Mann Cupid, mit dem sie bis zu ihrem Tod glücklich zusammen lebte. Und nun liebe Trauergemeinde, bitte ich sie, sich noch einmal von Phoebe zu verabschieden. Und dann vielleicht auch noch, von allen anderen!“ Der Redner nahm plötzlich die Form eines Dämons an und materialisierte einen Feuerball. „Nein nicht heute!“, sagte Piper zornig. „Wir sind gerade dabei, meine Schwester zu beerdigen!!“ Sie hob die Hände und der Redner explodierte in einer Staubwolke.
Kapitel 3
„Nicht mal vor einer Beerdigung machen sie halt!“, sagte Piper wütend. „Sie sind halt Dämonen!“ „Das entschuldigt nichts, Leo. Aber egal, verabschieden wir uns jetzt von Phoebe.“ Alle stellten sich vor dem Bild von Phoebe auf und schlossen die Augen. Wieder rollten ein paar Tränen über die Wangen von Billie, Paige und Piper. Jetzt war der Moment gekommen. Phoebe war für immer tot. Jeder legte noch eine Rose vor die Urne. Als Piper an der Reihe war, fiel ihr auf, dass sie die Rose von gestern Abend mitgenommen hatte. „Naja, schlimmer kann es ja nicht mehr werden!“ Sie platzierte die Rose vor der Urne und plötzlich fing die Kraft der geweihten Rose an zu wirken. Die Urne leuchtete in einem sehr hellen, weißen Licht. Und dann flogen kleine weiße Lichter rund herum um die Familie. Und dann plötzlich, materialisierte die Urne zu Phoebe. Sie war zurück.
„Phoebe!“, schrie Piper wie, als würde sie einen Geist sehen. „Du bist zurück!“ Und dann fiel sie ihrer Schwester um den Hals. Alle konnten es kaum fassen. Sie hatten Phoebe aus dem Reich der Toten zurückgeholt. „Schatz!“, Coop umarmte seine Frau und küsste sie. „Wie… Wie habt ihr das gemacht?“, fragte Phoebe verwirrt. „Das weiß ich auch nicht so genau!“, antwortete Paige. „Ich habe Prue wieder getroffen!“, sagte Phoebe. „Ihr geht es gut!“ „Und dir jetzt Gott sei dank auch wieder!“, freute sich Leo. „Ja, ich bin zurück!“
Alle saßen wieder im Wohnzimmer und freuten sich, dass Phoebe zurück ist. Jetzt war die Macht der Drei wieder vereint. „Wie war es im Jenseits?“ „Alles ist sehr hell, es gibt nur gute Menschen, und man verspürt nichts. Kein Hungergefühl, keine Liebe, Nichts!“ „Und wie fühlt sich das an?“, fragte Billie neugierig. „Nicht gut! Man fühlt sich so leer!“ „Aber jetzt ist ja alles wieder gut!“, sagte Piper glücklich.
Am Abend stand Paige auf dem Dachboden und stöberte im Buch der Schatten. Auf einmal flackerte das Licht. Und noch einmal. Paige war schon fest der Meinung, dass ein Dämon sie beobachtete, als sich plötzlich an einer Wand ein Portal auftat. Einige Zeit passierte nichts damit, aber dann wurde eine junge Frau aus dem Portal geschmissen. Sie hatte blonde lange Haare, grüne Augen und hatte eine sportliche Figur. „Hey, wer bist du denn?“, fragte Paige verwundert. „Hi Mum!“ Die Frau umarmt Paige. „Mum? Wer bist du?“ „Na deine Tochter!“ „Was…? Meine Tochter ist 4 Jahre alt!“ „Oh… der Zauber hat wohl nicht funktioniert!“ „Zauber?“ „Ja, er sollte mich zurück in meine Kindheit versetzen!“ „Dann hat er aber perfekt funktioniert! Du bist wieder vier Jahre alt.“ „Wenigstens kann ich dann mal so checken, wie ihr früher alle ward!“ „Na ganz toll. Also ich denke, du kennst dich ja hier aus, aber Moment mal… Bist du Mandy oder Mary?“ „Mary!“